Flyfishing

Eine noch relativ wenig verbreitete Sportart, die aber diejenigen, die sie ausprobieren, mit ganz besonderen Eindrücken und Erfahrungen wieder in deren Alltag entlässt. Das Interview mit unserem Partner Russell Whiteman stellt Ihnen die Faszination des Fliegenfischens vor.  

Flyfishing
» Das Fliegenfischen ist eine Mischung aus dem perfekt "getimeten" Golf-Swing und einem Bogenschuss, der mitten ins Schwarze trifft. «

Wir bei ELLA FOGG haben Ideen zur Inspiration zusammengestellt. Diese Reise lässt sich beliebig auf Ihre Bedürfnisse anpassen.

Das Interview

Wie hat Deine Karriere als Fliegenfischer-Guide begonnen und sich über die Jahre entwickelt?

Ich wurde 1960 in Londonderry in Nordirland geboren. Wie viele andere kleine Jungen erhielt ich zu meinem neunten Geburtstag eine Angelrute und eine Rolle und dies war der Beginn einer lebenslangen Leidenschaft. Ich war schon immer fasziniert von der Technik des Auswerfens (Casting): Dieses sanfte Anheben der Fliegenschnur von der Wasseroberfläche und die schone anmutige Eleganz, mit der sich die Schlaufe beim Rückwurf (Back Cast) bildet, gefolgt von einer fließenden Bewegung in den Vorwärtswurf (Forward Cast). Wenn die Leine sich ausrichtet, zart auf dem strömenden Wasser landet – am Ende des Vorfachs (Leaders) befindet sich nur eine winzige Imitation aus Fell und Federn. In erwartungsvoller Spannung beobachtet man, wie die kleine Trockenfliege aufmerksam von einem Fisch begutachtet wird. Aber diesmal wird die schlaue Forelle nicht getäuscht. Vielleicht beim nächsten Auswurf?

Dieses Gefühl mit der Natur zu verschmelzen und sich gleichzeitig auf das „Casting“ zu konzentrieren ist etwas sehr Besonderes – alle Sinne sind wach. Dazu der Duft der Wiesen, das Rauschen des fließenden Baches, Flusses – reine Meditation. In dieser Zeit lernte ich ebenfalls die Kunst des Fliegenbindens. Es ist eine große Befriedigung, die Forelle oder den Lachs mit einer selbst gemachten Fliege zu fangen.

Ich war so leidenschaftlich und fanatisch beim Angeln, besonders beim Fliegenfischen, dass ich schon in diesem frühen Stadium erkannte, dass ich dies für den Rest meines Lebens tun wollte. Durch außergewöhnliches Glück habe ich es geschafft, das Fliegenfischen zu meinem Beruf zu machen.

Es ist großartig, auf Reisen zu den besten Zielen so viele neue und interessante Kollegen zu treffen. Ich kann mit Stolz sagen, dass Fliegenfischen meine Lebensaufgabe ist.

Ist Fliegenfischen schwer zu erlernen?

Dass ist eine Frage, die mir oft gestellt wird und die kurze Antwort ist Nein.
Es ist in der Tat leicht zu erlernen. Jeder kann es tun, ob jung oder alt, und es macht wirklich viel Spaß. Ich denke, wie bei jedem Sport, der eine gute Koordination von Hand und Auge erfordert, ist es sehr wichtig, die Grundlagen gleich zu Beginn richtig zu lernen. Um wirklich gut darin zu werden, muss man Zeit investieren. "Übung macht den Meister!" und das gilt definitiv für das Fliegenfischen.

Wer sind Deine typischen Kunden?

Meine Kunden kommen aus allen möglichen Bereichen. Von Lords und Ladies über Stars aus Sport, Musik- und Filmgeschäft bis hin zu Industriekapitänen, Ärzten, Anwälten, Malern, Tischlern, Geistlichen, – die Liste ist lang. Ich bekomme eine ganze Reihe von Familiengruppen, die gemeinsam lernen wollen. Auch Vater und Sohn/Tochter-Kombinationen sind beliebt.

Fliegenfischen heißt, zu denken während man komplett in der Symphonie des rauschenden Wassers des Stroms oder dem sanften Plätschern der Wellen des Loughs aufgeht. Dazu der Rhythmus des Auswerfens (Casting), die enorme Spannung, wenn ein großer Fisch steigt, um den Fliegenköder zu nehmen und das dramatische Erlebnis, wenn ein Lachs deine Fliege schnappt und den Fluss abwärts rast.

Was macht das Fliegenfischen so besonders?

Der Sport des Fliegenfischens hat eine lange Geschichte. Man kann sagen, dass das Fliegenfischen, wie wir es kennen, seine Wurzeln in Schottland und Irland hat. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde es unter Adligen zur Mode Lachs und Forelle mit der künstlichen Fliege nachzustellen. Fliegenfischen hebt Angeln auf ein ganz anderes Niveau. Das Casting (Auswerfen) ist ein sehr anmutiger Sport. Man hat es einmal als eine Mischung aus dem perfekt „getimeten" Golf-Swing und einem Bogenschuss, der mitten ins Schwarze trifft, bezeichnet. Man folgt ganz und gar dem Rhythmus des Castings und die Befriedigung, es richtig gemacht zu haben, ist enorm.

Im Gegensatz zu anderen Angelmethoden ist Fliegenfischen eine aktive Beschäftigung – ob man nun im Herzen Irlands am Ufer eines Flusses inmitten schöner Heidelandschaft entlangwandert oder in einem wildbewegten isländischen Strom den Fischen nachstellt – der Fliegenfischer ist immer in Bewegung. Das Gefühl eins zu sein mit der Natur, ist allgegenwärtig.

Wo gehst Du mit Deinen Kunden Fliegenfischen?

Irland

Lass mich mit Irland beginnen, meinem Heimatland. Da ich dort geboren und aufgewachsen bin, habe ich das Gefühl, dass ich jeden Fluss und jeden See wie meine Westentasche kenne – und es gibt viel Wasser in Irland! Ein großer Vorteil Irlands ist die sehr lange Angelsaison. Vom Neujahrstag an kann in einigen Teilen des Landes bis Ende September und an einigen Orten bis Mitte Oktober gefischt werden. Gute Möglichkeiten gibt es zu jeder Zeit aber persönlich mag ich das Fliegenfischen auf „Frühjahrslachs", wobei die beste Zeit in den meisten Jahren von März bis Mitte Juni ist. Das andere große Highlight des irischen Fliegenfischens für mich das Angeln auf wilde Bachforellen an den großen „Kalkstein-Seen“(Loughs), besonders zur Maifliegen-Saison. Dies kann irgendwann in den letzten Apriltagen bis Anfang Juni erfolgen – abhängig davon, wann die Eintagsfliegen schlüpfen.

An dieser Stelle ein wichtiger Hinweis. Es ist sehr wichtig, zur besten Zeit zum richtigen Fluss oder See zu gehen. Einige Flussläufe werden nicht von Frühjahrslachsen aufgesucht und die Köcherfliegenschlüpfen an den verschiedenen Loughs zu unterschiedlichen Zeiten. Es ist sehr enttäuschend am richten Fluss zu sein, aber zur falschen Zeit!

Auch das Fischen im September, „back-end“ genannt, kann sehr lohnend sein, war aber in den letzten Jahren nicht immer gut.

Eine weitere Attraktion des irischen Fliegenfischens sind die großartigen Unterkünfte, die den Fliegenfischern zur Verfügung stehen. Von freundlichen B&B's bis hin zu den prächtigen historischen Herrenhäusern ist alles dabei.<

Schottland

Nun zu Schottland, das in Bezug auf seine Möglichkeiten viele Ähnlichkeiten mit Irland hat. Aber es gibt auch einige wichtige Unterschiede.
Hier gibt es nicht die großen Kalkstein-Seen (Loughs), die in ihrer Verbreitung, mit ihren vielem Schlupfen der Köcherfliege und ihren großen wilden Bachforellen, fast nur in Irland anzutreffen sind.

Es gibt aber einige großartige Frühjahrslachsflüsse wie Spey, Tay, Dee, oder Tweed, Thurso, Helmsdale, Brora, Oykel, North und South Esks.
Im Allgemeinen sind die Berge und Flüsse größer und breiter und insgesamt größer dimensioniert als ihre irischen Gegenstücke. Wie in Irland gibt es auch in Schottland eine ehrwürdige Fliegenfischer-Tradition. Viele betrachten Schottland als die spirituelle Heimat des Fliegenfischens. Es gibt viele wunderbare Unterkünfte, von abgelegenen Hütten, Herrenhäusern bis hin zu Fünf-Sterne-Schlössern und alles dazwischen; dieser Sinn für Geschichte ist allgegenwärtig. Nachdem ich viele Jahre lang in ganz Schottland gereist bin und gefischt habe, betrachte ich es als ein Zuhause fern der Heimat.

Island

Wenn ich an die vielen Möglichkeiten denke, die Island zu bieten hat, fallt mir nur ein Wort ein: magisch. Es gibt so viele interessante Orte auf der ganzen Insel. Die enorme Qualität und konsistent guten Möglichkeiten auf Atlantischen Lachs zu fischen, sind derzeit nirgendwo sonst auf der Welt zu finden. Viele der Flüsse sind klein und geradezu intim und mit ihrem kristallklaren Wasser kann man den Lachs, auf den man es abgesehen hat, oft ruhig in einem Pool liegen sehen. Mir fällt kein anderer Ort ein, wo man so gut auf Sicht fischen könnte. Einen Lachs zielstrebig aufsteigen zu sehen, um eine Fliege zu schnappen, ist extrem spannend.

Zu Hauptzeiten sind diese Flüsse sehr ergiebig. Wenn man dazu noch die dramatische Natur mit hohen Bergen, zerklüfteten Tälern, Vulkanen und Gletschern als Kulisse um sich hat, sorgt das für ein fantastisches Erlebnis. Die Unterbringung erfolgt oft in abgelegenen Privatunterkünften, speziell für Fliegenfischer. Von außen sehen sie einfach und rustikal aus, sind aber sehr komfortabel und bieten eine sehr gute Küche. Die Hauptsaison beschränkt sich auf ein paar kurze Wochen im Sommer. Ungefähr zwischen dem 10. Juli und 10. August ist generell die beste Zeit aber auch früher und insbesondere später in der Saison gibt es noch gute Möglichkeiten. Für mich persönlich ist es immer wieder spannend, für einige Wochen in Island zu fischen. Natürlich ist jedes Jahr anders, wobei wechselhafte Wetterverhältnisse Teil der Herausforderung sind. Gut ist es immer.

Was könnte sich der anspruchsvolle reisende Fliegenfischer mehr wünschen? Das Gefühl der Abgeschiedenheit, des Friedens und der Ruhe inmitten der Natur ist immer präsent.

Norwegen

Norwegen, das Land der Mitternachtssonne und der wirklich riesigen atlantischen Lachse. Auch hier ist die atemberaubende Natur zu bestaunen und nirgendwo mehr, als in der arktischen Region Finnmark. Generell sind die norwegischen Flüsse größer, mächtiger und schneller fließend. Und das bringt ganz besondere atlantische Lachse hervor, nämlich sehr Große! Es ist wunderbar diese Flüsse mit der Fliegenrute zu besuchen aber auch immer eine Herausforderung und ich wurde es keinesfalls als einfach bezeichnen. Man wird hier nicht die gleichen Mengen an Lachs vorfinden wie in Island oder gar Irland oder Schottland. Die Attraktion hier ist es, den Fisch des Lebens zu fangen – eine echte Trophäe.

Das Fischen in Norwegen ist für Fliegenfischer, die schon etwas Erfahrung haben. Für mich persönlich bereitet es eine besondere Dramatik, die ich nirgendwo sonst finde. Und das ist die Vorfreude und Spannung möglicherweise einen wahren Giganten zu landen.

Russland

Wenn wir über atlantische Lachsfischerei in Russland sprechen, beziehen wir uns hauptsächlich auf die Halbinsel Kola. Geographisch „um die Ecke“ Norwegens Nordens gelegen, ist die Kola eine gewaltige Fläche arktischer Tundra und echte Wildnis. Als militärisches Sperrgebiet war sie lange Zeit nicht zugänglich und entsprechend haben Menschen hier wenig Spuren hinterlassen. Die meisten Flüsse und Fischerhütten sind nur mit dem Helikopter zu erreichen.

Es ist wirklich eine großartige und aufregende Erfahrung aber nur für erfahrene und wirklich begeisterte Fliegenfischer, denn sonst gibt es hier nicht viel zu unternehmen.

Kuba

Und nun noch ein ganz besonderer Ort. Kuba. Ich hatte das Glück, etliche Male zum Fischen nach Kuba zu reisen und ich habe die Erfahrung sehr genossen. Hier angeln wir nun in Salzwasser, zumeist in Flachwasser, Lagunen und Kanälen, die ins offene Meer fuhren. Ich habe hauptsächlich auf Bonefish und Tarpon geangelt. Bonefish ist am einfachsten zu fangen und zum Üben eine sehr geeignete Spezies für Anfänger. Sie sind ungemein schnell und das macht Spaß. Tarpon ist aber mein Lieblingsfisch beim Fliegenfischen im Meer. Sie können enorm groß werden, bis zu 150 Pfund schwer. Man angelt in kristallklarem Wasser, das macht die Sache sehr spannend. Ein weiterer Grund warum das Salzwasser-Fliegenfischen an Orten wie Kuba so attraktiv ist, ist der Umstand, dass man unserem Winterwetter entkommen kann. Eine schöne und lohnenswerte Erfahrung zugleich.

Die Bahamas

Die Bahamas sind recht ähnlich im Vergleich aber hier ist Bonefish die wichtigste Fischart. Man kann sagen, dass die Bahamas ein gutes Allroundziel sind mit sehr guten Unterkünften und vielen Aktivitäten für Nicht-Fischer, dazu schone Strände und meist gutes Wetter. Ein Familienurlaub mit guten Gelegenheiten auf Bonefisch zu angeln.

Was kann man außer Angeln erwarten, wenn man mit Dir auf eine Tour geht und was machen Familienangehörige, die vielleicht nicht an Angeln interessiert sind?

Als Guide und Gastgeber, lege ich Wert darauf, während des gesamten Aufenthalts mit meiner Gruppe zusammen zu bleiben und sie zu betreuen. Wobei meine Hauptaufgabe selbstverständlich das Fischen ist. Ich werde manchmal gefragt, ob es alternative Aktivitäten für Mitglieder einer Gruppe oder Familie gibt, die vielleicht nicht die ganze Zeit fischen wollen. In Irland oder Schottland ist Golfen sehr beliebt und einfach zu arrangieren. In Island und Norwegen gibt es viele Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten wie Bootsfahrten mit Wal-und Vogelbeobachtungen. In Kuba oder Russland gibt es viel weniger alternative Aktivitäten für Nicht-Fischer. In Kuba gibt es jedoch ausgezeichnete Tauchmöglichkeiten.

Zusammengefasst...

Das Fliegenfischen gewinnt in Deutschland langsam aber stetig an Bedeutung. Ich denke, Menschen in Deutschland unterscheiden sich nicht sehr von Menschen in anderen Ländern. Natürlich gibt es in Island, Irland, Schottland oder Norwegen eine lange Tradition des Fliegenfischens, was erklärt, warum der Sport dort so populär ist. Menschen in Deutschland müssen vielleicht erst noch erfahren, was für ein wundervoller Sport das Fliegenfischen ist. Einmal die Gelegenheit gegeben, werden auch sie die wundervolle Magie dieses Sports zu schätzen wissen. Kommt und versucht es einmal!

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